Glasfasertapete – auch Glasgewebe oder Glasvlies genannt – gilt als die technische Schwester der klassischen Tapete. Sie wird aus Glasgarn gewebt, an die Wand geklebt und anschließend gestrichen. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, die deutlich mehr aushält als Farbe auf Putz. Hier erfahren Sie, was Glasfasertapete kann, wo sie sinnvoll ist und worauf Sie bei Auswahl und Verarbeitung achten sollten.
Was ist Glasfasertapete?
Glasfasertapete besteht aus feinen Glasfäden, die zu einem Gewebe mit einer bestimmten Struktur verwoben werden – zum Beispiel Köper, Rauten, Fischgrat oder grobe Geflechte. Nach dem Tapezieren wird sie mit Wandfarbe gestrichen. Die Struktur bleibt unter der Farbe sichtbar und gibt der Wand ihren Charakter; die Farbe bestimmt den Farbton.
Im Unterschied zu Vlies- oder Papiertapeten ist Glasgewebe also keine fertige, bedruckte Oberfläche, sondern ein Armierungs- und Strukturbelag, der erst durch den Anstrich fertig wird.
Die wichtigsten Eigenschaften
- Rissüberbrückend: Das Gewebe überbrückt feine Haarrisse im Putz und verhindert, dass sie sich bis zur Oberfläche durchzeichnen.
- Stoßfest und strapazierfähig: Die Oberfläche verzeiht Stöße von Möbeln, Taschen oder Rollwagen besser als ein reiner Anstrich.
- Mehrfach überstreichbar: Statt neu zu tapezieren, wird bei einem Farbwechsel einfach neu gestrichen. Die Struktur bleibt erhalten.
- Formstabil: Glasgewebe dehnt sich nicht und schrumpft nicht – die Nähte bleiben geschlossen.
- Nicht brennbare Varianten: Es gibt Glasgewebe, das als nicht brennbar klassifiziert ist (dazu unten mehr).
Wo lohnt sich Glasfasertapete?
Überall dort, wo Wände stark beansprucht werden oder die Oberfläche lange halten soll:
- Treppenhäuser, Flure und Eingangsbereiche
- Praxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen
- Hotels, Büros und Gastronomie
- Schulen, Kitas und öffentliche Gebäude
- Wohnräume mit rissigem oder unruhigem Putz
Für die Renovierung beschädigter Wände gibt es eigene Systeme wie SYSTEXX Active RENO, bei denen das Ziel eine schnelle, glatte Renovierung ohne aufwendiges Spachteln ist.
Brandschutz: „nicht brennbar“ nach EN 13501-1
Das Brandverhalten von Baustoffen wird in Europa nach der Norm EN 13501-1 klassifiziert. Die Klasse A2 steht für „nicht brennbar“. Für Flucht- und Rettungswege, öffentliche Gebäude oder Objekte mit Brandschutzauflagen kann eine solche Klassifizierung gefordert sein.
In unserem Sortiment finden Sie diese Produkte in der Kategorie Nicht brennbare Glasfasertapeten (A2). Welche Klasse in Ihrem Objekt vorgeschrieben ist, legt das Brandschutzkonzept fest – klären Sie das bei gewerblichen Projekten vorab mit Architekt oder Brandschutzplaner. Die genaue Klassifizierung eines Produkts steht in seinem technischen Datenblatt.
Akustik und Wärme
Neben klassischen Strukturgeweben gibt es Systeme mit Zusatzfunktion. SYSTEXX AcousTherm verbindet die Wandoberfläche mit akustischer und wärmedämmender Wirkung – interessant für Büros, Besprechungsräume, Restaurants und Wohnräume mit kalten Außenwänden.
Rohware oder vorgrundiert?
Im Produktnamen begegnen Ihnen oft zwei Kürzel:
- RW – Rohware: Das Gewebe kommt unbehandelt. Es nimmt beim ersten Anstrich mehr Farbe auf.
- PG – vorgrundiert: Das Gewebe ist werkseitig grundiert und saugt deshalb weniger Farbe.
Beide Varianten werden nach dem Tapezieren gestrichen. Wie viele Anstriche nötig sind und welche Farbe empfohlen wird, steht im technischen Merkblatt des jeweiligen Produkts.
Verarbeitung in Kurzform
- Untergrund: tragfähig, trocken, sauber. Stark saugende Flächen vorher grundieren.
- Kleber: Glasgewebe wird mit einem speziellen Glasgewebekleber (Dispersionskleber) verklebt, nicht mit normalem Tapetenkleister. Der Kleber wird auf die Wand aufgetragen.
- Ansetzen: Bahn für Bahn Stoß an Stoß ansetzen und mit einem Kunststoffspachtel blasenfrei andrücken. Auf die richtige Seite achten – sie ist bei den meisten Geweben auf der Rolle gekennzeichnet.
- Trocknen lassen und erst dann streichen.
- Streichen: Mit einer Farbe und der Anzahl der Anstriche laut Merkblatt.
Schutz beim Schneiden: Beim Zuschneiden können feine Glasfasern frei werden, die die Haut reizen. Tragen Sie Handschuhe und lange Ärmel und arbeiten Sie mit einem scharfen Messer.
Einzelrolle statt Palette
Glasgewebe wird im Fachhandel häufig nur palettenweise verkauft. Für kleinere Flächen und Reparaturen bieten wir viele Artikel im Einzelrollen-Verkauf an. Gemusterte Gewebe für eine dekorative Wirkung finden Sie in der SYSTEXX Phantasy Design Collection.
Glasfasertapete oder Vliestapete?
Wenn die Wand vor allem schön und gemustert sein soll, ist eine bedruckte Vliestapete die richtige Wahl. Wenn sie vor allem robust, überstreichbar oder brandschutztechnisch geeignet sein muss, spricht vieles für Glasgewebe. Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie im Beitrag Vliestapete, Papiertapete oder Glasgewebe.
Häufige Fragen
Kann man Glasfasertapete wieder entfernen?
Ja, aber mit mehr Aufwand als eine Vliestapete, weil Gewebe und Kleber fest mit der Wand verbunden sind. Für die meisten Einsatzbereiche ist genau diese Haltbarkeit der Grund, sich für Glasgewebe zu entscheiden.
Wie oft kann man Glasfasertapete überstreichen?
Mehrfach. Mit jedem Anstrich wird die Struktur etwas weicher, bleibt aber erkennbar. Das ist einer der Hauptvorteile gegenüber Tapeten, die bei jedem Farbwechsel ersetzt werden müssen.
Welche Glasfasertapete ist für Treppenhäuser geeignet?
Gefragt sind hier Strapazierfähigkeit und oft auch Brandschutz. Prüfen Sie, ob in Ihrem Gebäude eine nicht brennbare Klasse gefordert ist – dann wählen Sie aus der Kategorie nicht brennbar (A2). Bei Fragen zu einem konkreten Objekt erreichen Sie uns per WhatsApp unter +49 178 265 93 11.
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