Vliestapeten haben das Tapezieren deutlich einfacher gemacht. Anders als Papiertapeten müssen sie nicht eingekleistert werden und weichen nicht auf: Der Kleister kommt direkt auf die Wand, die trockene Bahn wird angesetzt. Das spart Zeit, und die Bahnen bleiben maßhaltig. Diese Anleitung führt Sie vom Untergrund bis zur letzten Bahn.
Wichtig vorab: Maßgeblich sind immer die Angaben auf dem Etikett Ihrer Tapete. Dort stehen der empfohlene Kleister, die Klebetechnik (Symbol „Wand einkleistern“), der Rapport und die Anfertigungsnummer.
Werkzeug und Material
- Kleister für Vliestapeten (Sorte laut Etikett)
- Farbrolle oder Quast zum Einkleistern der Wand
- Tapezierbürste oder Andrückrolle aus Kunststoff/Gummi
- Cuttermesser mit frischen Klingen und ein breiter Spachtel als Schneidkante
- Wasserwaage oder Lot, Bleistift, Zollstock
- Saubere, leicht feuchte Schwämme und klares Wasser
- Tiefengrund, falls der Untergrund stark saugt
Schritt 1: Untergrund prüfen und vorbereiten
Die beste Tapete hält nur auf einem guten Untergrund. Die Wand muss tragfähig, trocken, sauber und eben sein. Drei schnelle Tests:
- Tragfähigkeit: Ein Streifen Klebeband fest andrücken und ruckartig abziehen. Bleiben Farbe oder Putz daran hängen, muss die lose Schicht entfernt werden.
- Saugfähigkeit: Etwas Wasser auf die Wand spritzen. Zieht es sofort ein, saugt der Untergrund stark – dann vorher grundieren, sonst entzieht die Wand dem Kleister zu schnell das Wasser.
- Ebenheit: Mit einer Lampe streifend über die Wand leuchten. Löcher und Risse jetzt spachteln und nach dem Trocknen glatt schleifen.
Alte Tapeten sollten Sie grundsätzlich entfernen. Wie das je nach Tapetenart am besten geht, erklären wir im Beitrag Alte Tapete entfernen und Wand vorbereiten.
Schritt 2: Rollen prüfen und Bahnen planen
Prüfen Sie vor dem ersten Schnitt, ob alle Rollen dieselbe Anfertigungsnummer tragen. Rollen aus verschiedenen Chargen können im Farbton minimal abweichen. Rollen Sie außerdem ein Stück ab und kontrollieren Sie Farbe und Druck bei Tageslicht – bereits verklebte Bahnen sind von einer Reklamation meist ausgeschlossen.
Planen Sie, wo Sie beginnen. Üblich ist der Start an einem Fenster oder in einer Ecke und das Arbeiten vom Licht weg. So werfen eventuell sichtbare Stöße keinen Schatten.
Schritt 3: Die erste Bahn ausloten
Die erste Bahn entscheidet über alle weiteren. Zeichnen Sie mit Wasserwaage oder Lot eine senkrechte Linie im Abstand von etwas weniger als einer Rollenbreite von der Ecke. Wände und Ecken sind fast nie genau senkrecht – wer an der Ecke ausrichtet, tapeziert schief.
Schritt 4: Bahnen zuschneiden
Schneiden Sie die Bahnen auf Raumhöhe plus etwa 10 cm Zugabe zu. Bei Mustertapeten achten Sie auf den Rapport: Die nächste Bahn muss so abgeschnitten werden, dass das Muster an der Naht weiterläuft. Nummerieren Sie die Bahnen auf der Rückseite oben, damit die Reihenfolge und die Richtung stimmen.
Schritt 5: Kleister auf die Wand – nicht auf die Tapete
Tragen Sie den Kleister gleichmäßig mit Rolle oder Quast auf die Wand auf, etwas breiter als eine Bahn. Kleistern Sie immer nur so viel Fläche ein, wie Sie direkt tapezieren – der Kleister darf nicht antrocknen, bevor die Bahn sitzt.
Schritt 6: Bahn ansetzen und andrücken
Setzen Sie die trockene Bahn oben an der Decke mit etwas Überstand an und richten Sie sie an der Lotlinie aus. Streichen Sie sie dann von der Mitte nach außen mit Bürste oder Rolle an, damit keine Luftblasen eingeschlossen werden. Vlies lässt sich in den ersten Minuten noch leicht verschieben – nutzen Sie das zum Ausrichten.
Jede weitere Bahn setzen Sie Stoß an Stoß, also Kante an Kante ohne Überlappung. Drücken Sie die Naht mit einer Nahtrolle leicht an, aber nicht so stark, dass Kleister herausgedrückt wird.
Schritt 7: Überstände abschneiden
Drücken Sie den Spachtel an der Decke und an der Fußleiste in den Winkel und schneiden Sie den Überstand mit dem Cuttermesser daran entlang ab. Wechseln Sie die Klinge häufig: Eine stumpfe Klinge reißt feuchte Tapete ein statt sie zu schneiden.
Schritt 8: Kleisterreste sofort entfernen
Kleister auf der Oberfläche der Tapete sofort mit einem sauberen, feuchten Schwamm abtupfen. Nicht reiben – das kann besonders bei matten, geprägten oder textilen Oberflächen Glanzstellen hinterlassen. Angetrockneter Kleister ist auf der Sichtseite kaum noch zu entfernen.
Ecken, Fenster und Steckdosen
- Innenecken: Die Bahn wenige Zentimeter um die Ecke führen, dort abschneiden und die nächste Bahn neu am Lot ansetzen. So bleibt die folgende Wand senkrecht, auch wenn die Ecke schief ist.
- Außenecken: Die Bahn um die Ecke herumführen und fest andrücken; Nähte direkt auf einer Außenkante lösen sich leicht.
- Steckdosen und Schalter: Vorher die Sicherung ausschalten und die Abdeckungen abschrauben. Die Tapete darüber kleben, die Öffnung diagonal einschneiden und bündig abschneiden, dann die Abdeckung wieder montieren.
- Fenster: Die Bahn über die Fensteröffnung kleben, die Kontur mit dem Spachtel eindrücken und den Überstand abschneiden.
Wie lange muss die Tapete trocknen?
Lassen Sie den Raum während des Trocknens gleichmäßig temperiert und vermeiden Sie Durchzug und direkte Heizungswärme. Zu schnelles Trocknen kann zu offenen Nähten führen. Die genaue Trocknungszeit hängt vom Kleister, vom Untergrund und von der Raumluft ab – die Angabe des Kleisterherstellers ist maßgeblich.
Lieber tapezieren lassen?
Großformatige Muster, textile Oberflächen und Luxustapeten verzeihen wenig Fehler. Im Raum Stuttgart und der näheren Umgebung – zum Beispiel Böblingen und Ludwigsburg – übernehmen wir das Tapezieren für Sie. Die Preise pro Rolle finden Sie auf der Seite Tapezierarbeiten: Kosten. Wie viele Rollen Sie brauchen, berechnen Sie vorab mit unserem Tapetenrechner oder im Beitrag Tapetenbedarf berechnen.
Häufige Fragen
Kann ich Vliestapete auf alte Tapete kleben?
Davon raten wir ab. Die alte Tapete kann sich durch die Feuchtigkeit des Kleisters lösen, und Unebenheiten zeichnen sich durch. Entfernen Sie alte Tapeten vorher vollständig.
Warum Kleister auf die Wand und nicht auf die Tapete?
Vlies dehnt sich bei Feuchtigkeit kaum aus. Deshalb muss die Bahn nicht einweichen, und die Wandklebetechnik ist schneller und sauberer. Beachten Sie trotzdem das Symbol auf dem Etikett: Einige Spezialtapeten verlangen eine andere Technik.
Lässt sich Vliestapete später wieder entfernen?
Die meisten Vliestapeten lassen sich trocken in ganzen Bahnen abziehen. Ob Ihre Tapete „restlos trocken abziehbar“ ist, zeigt das entsprechende Symbol auf dem Etikett.
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